Der Bürgerkrieg in Kirgistan
Am späten Abend des 10. Juni ist die Gewalt zwischen den Kirgisen und der usbekischen Minderheit in der Stadt Osch eskaliert. Viele glauben, dass dieser Konflikt künstlich von kriminellen und politischen Mächten provoziert und so die langjährige Feindseligkeit zwischen diesen Bevölkerungsgruppen schamlos ausgenutzt wurde. Die Leute, mit denen wir gesprochen haben, erzählen alle die gleiche Geschichte: „Die Gewaltausbrüche fingen in unterschiedlichen Plätzen der Stadt Osch an. Bewaffnete Menschen tauchten auf, die auf die Usbeken und ihre Häuser schossen. Fast gleichzeitig fingen die Plünderungen der Geschäfte und die sinnlose Zerstörungen der Häuser durch Kriminelle an. Allein in einer Straße sind 170 Häuser abgebrannt. Wir riefen die Polizei zur Hilfe, doch niemand half uns.“
Diese Tat scheint sorgfältig vorbereitet und bewusst gegen die usbekische Minderheit gezielt zu sein. Es sind auch Kirgisen getötet worden, aber die größten Verluste hat das usbekische Volk zu beklagen. Allein in einem Viertel der Stadt Osch wurde uns eine Liste von 51 getöteten Leuten gezeigt.
Chronologische Folge der Ereignisse:
10.06. Die Gewalt bricht in Osch aus. Geschäfte und Häuser werden geplündert und in Brand gesetzt.
11.06. Die Gewalt setzt sich fort und weitet sich auf andere Städte und Dörfer aus. Die Usbeken errichten Barrikaden und beginnen sich zu verteidigen. Der Ausnahmezustand wird ausgerufen.
12.06 Die Gewalt setzt sich weiter fort. Tausende Usbeken fliehen nach Usbekistan. Die anderen üben Rache an den Kirgisen.
13.06. Das usbekische Dorf Susak, in dem es auch einige usbekische Gläubige gibt, ist von Kriminellen umzingelt, doch die Bewohner verteidigen sich vehement. Fast alle Ausländer werden mit Bussen und Flugzeugen aus dem Süden evakuiert. Ca. 70.000 Flüchtlinge haben schon die usbekische Grenze überquert. In die flüchtenden wehrlosen Menschengruppen wird wie wild gefeuert.
14.06. Der Sohn des vertriebenen Präsidenten Maksim Juli 2010 Bakiew wird in London verhaftet. Man vermutet die Beteiligung der Präsidentenfamilie in diesem Konflikt.
15.06. Die Grenze nach Usbekistan wird geschlossen. Tausende befinden sich unter freiem Himmel unmittelbar vor der Grenze. Die Gewalt klingt langsam ab.
16.06. Die erste humanitäre Hilfe aus Russland und vom Roten Kreuz wird angeliefert, kann aber aus Sicherheitsgründen nicht frei verteilt werden.
18.06. Die amtierende Präsidentin Rosa Otunbajewa gibt die Zahl der Getöteten Personen bekannt. Bislang sind es ca. 2.000 Personen. Es wird ein landesweiter Trauertag für die Toten ausgerufen.
20.06. Die kirgisische Armee beginnt die Barrikaden abzubauen. Dabei kommt es zu neuen gelegentlichen Konflikten.
22.06. 35.000 Usbeken kehren nach Kirgistan zurück. Die Lage stabilisiert sich, doch die Furcht vor neuen Ausschreitungen ist riesengroß.
27.06. Im nationalen Referendum wird die neue Gesetzgebung mit großer Mehrheit beschlossen. Kirgistan wird nun zu einer parlamentarischen Demokratie nach dem Vorbild Deutschlands.
Hilfe ist notwendig
Im Gespräch mit unseren kirgisischen Pastoren wurden wir getröstet, dass die Gläubigen größtenteils verschont geblieben sind. Zwischen den zwei verfeindeten Volksgruppen ist nun eine tiefe Verbitterung entstanden. Die Gemeinde Jesu hat in diesem traurigen Konflikt eine große Chance die Liebe Gottes durch Wort und Tat zu verkündigen. Gerade darum ist es jetzt wichtig die Hände der gläubigen Kirgisen zu stärken, damit sie Friedensstifter und Brückenbauer in diesem Konflikt sein können. Die kirgisischen Gemeinden möchten den Flüchtlingen, die in besonderen Schwierigkeiten stecken, helfen. Viele müssen beherbergt werden bis ihre Häuser aufgebaut werden können. Andere müssen über Monate versorgt werden, weil ihre Felder und Geschäfte komplett zerstört wurden. Wir möchten Dich einladen durch Gebet und Gaben sich an dieser Sache zu beteiligen.